Dass Brasiliens Regenwald stirbt, dürfte sich mittlerweile weltweit herumgesprochen haben. Von den dort lebenden Menschen hört man im Allgemeinen weniger. Obwohl die Situation der acht in Reservaten überlebenden Indianervölker Brasiliens katastrophal ist, geben sie den Medien weltweit scheinbar nicht genügend Stoff für die Schlagzeilen. Vielleicht sind die Indianer zu weit weg, ihre Probleme zu verschieden von den unsrigen und ein sterbendes Indianervolk hat mit dem Ozonloch schließlich auch nichts zu tun. Falsch: Die Indianervölker Brasiliens sterben aus den gleichen Gründen wie der Regenwald, rücksichtslose Konzerne zerstören ihren Lebensraum, immer weiter eindringende Siedler bringen die “Segnungen” einer fremden Kultur mit sich und niemand will sehen, dass die Indianer mit allen ihren existentiellen Problemen nichts anderes sind als das traurige menschliche Pendant zum sterbenden Regenwald. Zwar wird einiges von staatlicher Seite her unternommen, den Indianern behördlich zu helfen, wodurch dann vor dreißig Jahren die “FUNAI” entstand. Die FUNDAÇÃO NACIONAL DO INDIO ist eine Indianerbehörde, die die Rechte der Ureinwohner Brasiliens wahren soll. Aber sie schafft es nicht, zu wenig Mitarbeiter, zu wenig Kompetenzen – Brasiliens Regenwald stirbt und die Indianer sterben mit ihm. Seit 1986 haben allein im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul über 200 Indianer Selbstmord begangen – die höchste Rate ganz Brasiliens. 40% der Hoffnungslosen waren jünger als 16 Jahre, viele von ihnen Mädchen, die sich erhängten, oder – und der Zynismus dieser Tatsache ist kaum zu überbieten – Insektenvernichtungsmittel tranken, das in Blechkanistern als Rest auf den Feldern liegenblieb, auf den Zuckerrohrplantagen, auf denen ein Indianer kaum genug zum Leben verdienen kann, wenn er dort mal eine Arbeit als Tagelöhner findet…
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